Reisebericht Zypern: Sonnengrüße auf der Sonneninsel

Es ist September, ich sitze neben meinem Freund in einem Mietwagen, die Mittagssonne scheint, um uns herum eine karge, fast schon wüstenartige Landschaft.
Ich bin auf Zypern und ich habe eine Mission: kräftig Urlaub machen und die Location Cyprus Villages für unsere Kunden kennenlernen. Denn dorthin bieten wir künftig Reisen für unsere Yogis und Yoginis an. Ok, kein Problem: Kräftig Urlaub machen kann ich und von den Cyprus Villages werde ich bei 14 Tagen Aufenthalt schon einen Eindruck bekommen.
Die erste Hürde unseres Zypern-Abenteuers haben wir bereits genommen: Linksverkehr! Genaugenommen hat mein lieber Freund sie genommen und ich sitze links auf dem Beifahrersitz und denke mir „Sieht ja eigentlich gar nicht so schwer aus.“ Gute Arbeitsteilung, finde ich.

Blick auf TochniTypisch zyprisch

 

Hallo Tochni!

Etwa eine Stunde, nachdem wir den Flughafen Paphos hinter uns gelassen haben, erreichen wir unser Ziel: das Bergdörfchen Tochni an der Südküste der Insel. Schmale Sträßchen, blaue Fensterläden, jede Menge Katzen, alte Mütterchen auf Plastikstühlen und die für Zypern so typischen lehmfarbenen Steinhäuschen gruppieren sich um einen schnuckeligen Dorfplatz mit einer kleinen orthodoxen Kirche. Überall wuchert der Bougainvillea von Balkonen und Fensterbrettern und gibt dem Dorf einen fröhlich-pinken Anstrich.
Mittendrin liegen die Cyprus Villages: eine Appartementanlage, die als solche erstmal gar nicht zu erkennen ist. Das liegt am Konzept des Inhabers: Statt eines einzigen großen Appartementkomplexes verteilen sich die Häuser durch das kleine Dörfchen, sodass man in direkter Nachbarschaft zu den Dorfbewohnern lebt. Tochni war in den Neunziger Jahren beinahe vom Aussterben bedroht, da die jungen Leute in die großen Städte oder gleich aufs Festland umsiedelten. Zurück im Dorf blieben nur die Alten und die Häuser verfielen zusehends. Inhaber Sofronis, der aus dem Nachbardorf Tochnis stammt, wollte das Dörfchen retten. Er kaufte alte Häuser auf und ließ sie mit Hilfe der Regierung liebevoll restaurieren und zu Gästeappartements umgestalten, wobei die ursprüngliche Architektur erhalten blieb. Dadurch holte er den sanften Tourismus nach Tochni und konnte den Bewohnern dort neue Perspektiven schaffen.

Cyprus VillagesCyprus Villages - Haus Danae

 

Lieblingsplatz

Die Appartements sind gemütlich und alle mit lokalen Kunst- und Wohngegenständen individuell eingerichtet. Okay, sie sind auch ein wenig in die Jahre bekommen, das kann man jetzt nicht verstecken. Wer einen Luxusurlaub sucht, ist hier ganz bestimmt nicht richtig. Aber hey: Wer einen Luxusurlaub sucht, der zahlt auch komplett andere Preise als wir hier. Wir fühlen uns wohl, haben alles, was wir brauchen, schlafen göttlich und lieben unsere Terrasse. Insofern alles prima. Und wenn doch mal etwas fehlen sollte, kümmert sich die Rezeption rasch um Abhilfe.
Zentraler Treffpunkt aller Appartementbewohner ist die zur Anlage gehörende Tochni Taverne. Sie wird im Laufe der zwei Wochen übrigens zu einem unserer absoluten Lieblingsplätze werden: Wunderschöne Lage, tolle Aussicht auf Dorf und Meer am Horizont, Weinreben, karierte Tischdecken, lokales Obst und Gemüse, zum Teil sogar aus eigenem Anbau. Wir sitzen hier oft, scherzen mit der Bedienung, plaudern über Gott und die Welt und werden vom Koch wie von Mutti höchstpersönlich verwöhnt.

Lieblingsplatz: Tochni TaverneWeintrauben zum Frühstück? Werden in der Tochni Taverne gleich am Platz serviert - einfach mal nach oben gucken. :-)

 

“What’s your plan for today?”

Morgens beim Frühstück warten wir immer schon ungeduldig auf Hotelchef Sofronis. Als Gastgeber durch und durch lässt er es sich nämlich nicht nehmen, jeden Morgen von Tisch zu Tisch zu gehen und alle zu begrüßen. Und dann stellt er immer seine Standard-Frage: „So, what’s your plan for today?“ Daraufhin hat man zwei Möglichkeiten: Entweder, man weiß schon genau, was man unternehmen will. Zum Beispiel: „Wir möchten uns heute Nikosia ansehen.“ Dann legt er los mit Hintergrundinfos, praktischen Tipps, und jeder Menge Insider-Wissen – der Mann ist ein wandelnder Reiseführer, der nicht nur seine Insel wirklich liebt sondern auch ein beeindruckendes Gespür dafür hat, welchem Typ Gast er welche Empfehlungen aussprechen muss, um ihn glücklich zu machen.
Die zweite Antwortmöglichkeit ist „Wir wissen noch nicht genau, was wir heute machen wollen und brauchen bitte Tipps.“ Kein Problem für Sofronis – er verschwindet kurz und kommt mit einem Haufen Karten wieder, auf denen er uns Routen einzeichnet, Aussichtspunkte markiert und schöne Strände empfiehlt. Auf diese Weise sehen wir wesentlich mehr von der Insel, als der mitgebrachte Reiseführer aus der Buchhandlung auf Lager hat.

Posing am Strand.Direkt am Grenzübergang zur Türkei in NikosiaTürkische oder Griechische Küche? Auf Zypern hat man die Qual der Wahl!
Wandern zwischen 500 Jahre alten Bäumen

 

Hatha im Häuschen

Morgens geht es für mich zum Yoga, während mein Liebster lieber noch weiter im urgemütlichen Bett verweilt. So stelle ich mir Urlaub vor: jeder kann das machen, worauf er gerade Lust hat. Der Yogaraum liegt gleich um die Ecke vom Appartement – auf dem Weg dorthin atme ich die frische Morgenluft ein und lasse den Blick über das noch schlafende Dorf streifen. Lustig: Der Yogaraum ist genau genommen kein Raum sondern ein eigenes Yoga-Häuschen mit Terrasse, Holzboden und einer kleinen Teeküche. An den Wänden hängen selbstgemalte, fröhliche Bilder des Inhabers Sofronis – ich glaube, der Mann ist ein echter Tausendsassa. Hier herrscht eine schöne Atmosphäre. Außer mir sind noch einige andere Mädels zum Yoga gekommen und wir sind bunt zusammengewürfelt: Deutschland, Österreich, Großbritannien. Unsere Yogalehrerin ist sehr angenehm und praktiziert mit uns klassischen Hatha-Yoga. Da wir eine kleine Gruppe sind, kann sie gut auf jede einzelne von uns eingehen und uns individuelle Tipps und Hilfestellung geben. Schon während der allerersten Yogaeinheit merke ich, wie Berlin, der Alltag und viele Sorgen und Sörgchen von mir abfallen. Hach…

Im YogaraumEingang zum "Yoga-Häuschen"

 

Zypern ist schön. Echt.

Tagsüber unternehmen wir viele Ausflüge und entdecken, dass Zypern tatsächlich unheimlich vielfältig ist. Zugegeben: die Schönheit der Insel offenbart sich einem nicht unbedingt gleich auf den ersten Blick. Gerade im Spätsommer ist es trocken und karg, in vielen größeren Städten vermisse ich den mediterranen Charme, den man aus anderen Ländern Südeuropas gewohnt ist, und ja – viele Zyprioten haben offenbar leider auch ein anderes Verhältnis zu Umwelt und Müll als wir. Ich möchte Zypernbesuchern aber unbedingt dazu raten, sich auf die Suche nach den schönen Fleckchen der Insel zu machen, denn wer das tut, wird reichlich belohnt: Dichte Wälder und Wasserfälle im Troodos-Gebirge, aufregende Wanderungen durch Täler und Schluchten, paradiesische und menschenleere Strände, beeindruckende Kalkstein-Landschaften… All das hat uns im Laufe der zwei Wochen mehr und mehr für Zypern eingenommen und am Ende wollten wir – bestes Urlaubsprädikat – gar nicht mehr weg.
Außerdem sprechen die rund 300 Sonnentage pro Jahr ja wohl bitte schön für sich. Zu wissen, dass zu Hause schon der Herbst Einzug gehalten hat, während wir uns hier noch bei strahlend blauem Himmel in der Sonne räkeln und im Meer baden können, ist schon irgendwie toll. Ziemlich toll.

Herbst... was war das noch mal?Besuch auf unserer TerrasseUnd wer hat jetzt nochmal behauptet, auf Zypern sei's nicht grün??Inhaber Sofronis: Gastgeber, Künstler und wandelndes Zypern-Lexikon

 

Fazit: Wer sonnenhungrig ist und Lust auf Yoga, Natur und Ursprünglichkeit hat, ist in Tochni bestens aufgehoben. Warmherzige Inhaber und ehrliche Gastfreundschaft machen den Ort zu einem ganz besonderen Fleckchen. Durch die eher abgeschiedene Lage des Dorfes hat man Ruhe und ist ganz nah dran am „echten Zypern“, sollte sich aber unbedingt auch auf Entdeckungstouren in der weiteren Umgebung einlassen.
Wir jedenfalls kommen wieder, das ist mal sicher.

 

Unbedingt machen:

  • Die White Rocks hinterm Governor’s Beach besuchen. Der Strand selbst ist eher funktional als schön, aber wer sich am Ende des Strandes rechts hält, gelangt zu den beeindruckenden weißen Kalkfelsen. Hier kann man kilometerweit wandern und fühlt sich dabei manchmal fast wie auf einem fremden Planeten. Einige Plateaus dort eignen sich sogar für eine Yogasession in der Abendsonne. Für mich persönlich waren die Rocks eines der schönsten Erlebnisse des Urlaubs, da sie mich auf merkwürdige Art und Weise ganz tief berührt haben.
  • Vegetarische Mezze essen. Die vielen kleinen Gerichte (ähnlich wie Tapas) sind eine Spezialität Zyperns und einfach zum Niederknien lecker. Unbedingt dazu gehört auch der herrlich-quietschige Halloumikäse, der auf Zypern quasi eine Art Nationalgericht ist und das Herz jedes Vegetariers höher schlagen lässt.
  • Es ist zwar nicht überlebensnotwendig, aber einen Mietwagen zu haben, bedeutet auf Zypern schon maximale Freiheit. Tochni selbst ist zwar zauberhaft, aber dann doch ziemlich klein. Fußläufig kann man von hier aus keine allzu großen Abenteuer erleben und die Insel ist einfach zu spannend, um darauf zu verzichten. Alternativ zu einem Mietwagen für den gesamten Aufenthalt bietet sich auch eine tageweise Miete an oder aber man bucht einfach einen der Ausflüge hinzu, die an der Rezeption angeboten werden.
White Rocks: Ein bisschen wie auf einem fremden PlanetenWhite Rocks: Ein bisschen wie auf einem fremden Planeten

 

Besser lassen:

  • Die Touri-Hochburgen rund um Agia Napa im Südosten der Insel solltest du eher meiden. Ich war noch nie am Ballermann, aber ich glaube, Agia Napa ist schlimmer.
  • In der Tochni Taverne gleich Vor- und Hauptspeise bestellen. Egal wie groß dein Magen ist – du wirst es nicht schaffen! Der Koch macht einen super Job, aber bei den Portionsgrößen musste ich doch manches Mal an meine übereifrige Großmutter denken. Im Gegensatz zu der zwingt mich aber hier zum Glück keiner, aufzuessen und ich kann die Reste mit aufs Appartement nehmen.
  • Die Sonne unterschätzen. Wirklich wahr. Meine Nase empfiehlt das auch.

 

Auf den Geschmack gekommen? Go for it!

https://yoga.untrigkeit.de/yogareisen/yogareisen-zypern/

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